Vision und Ziele

Der Mensch braucht Visionen und Ziele, egal welchen Alters und Geschlechts…..

Dass das männliche Geschlecht gemeinhin dazu neigt, sich Ziele zu stecken, die vielleicht nur schwer oder sogar gar nicht zu erreichen sind, scheint Mann wenig zu interessieren. Man(n) muss es eben probieren. Sollte man(n) scheitern, sind mit Sicherheit andere schuld; das macht die Sache einfach!

Solch eine Vision, oder war es vielleicht eine Eingebung, beschlich mich im Jahr 2012. Warum nicht Rennen fahren? Warum nicht dem nachgehen, was man schon immer gerne getan hätte und sich aber aus vielerlei, teilweise völlig weit hergeholten Gründen nie ergeben hat? Hmmm…da war ein Problem, oder gleich gar mehrere: Zeit, Zeit, Zeit….der schnöde Mammon, dann wahrscheinlich nochmal Zeit und zu guter Letzt, ja am Ende einfach die fehlende Zeit!

Eine eigene Firma, also selbstständig (steckt schon im Wort; selbst und ständig) schien keine geeignete Grundlage für den Motorsport zu sein. Familie mit zwei Kindern und der lieben Ehefrau (sie kennt mich eigentlich seit nunmehr 27 Jahren und weis nur zu gut, dass Mann hin und wieder auf schräge Gedanken kommt ;-)), sprechen auch nicht für ein Hobby, dass wenig familienfreundlich ist, zumindest wenn Mann im Auto sitzt und im Kreis fährt.

Also, lässt Mann erst einmal Zeit vergehen, die Dinge müssen reifen, es muss vorbereitet sein, bis ins kleinste Detail, keine Fehler machen, sonst ist die zarte Rose schon zu Beginn zum Verwelken verdonnert und geht ein wie die sprichwörtliche Primel. Wie aber diese Vision umsetzen?

Nun…, manchmal gibt es glückliche Fügungen, die einfach so passieren. Mann kann natürlich nichts dafür und gesucht hat er diese Fügungen schon auch nicht; nönö, ganz ehrlich! Es begab sich also (herrlicher Anfang für einen so wichtigen Satz)…..es begab sich also, dass Mann (also in dem Fall ich), auf unserem Test-Flugfeld einen alten Wegbegleiter aus BMW Motorsport Zeiten traf, der dort für eine Automobil affine Sendung in einem BMW 1M Coupé einige Testrunden drehte. Natürlich erkannte man sich gleich und am Abend war genügend Zeit im örtlichen Bierstüberl über die Vergangenheit zu plaudern. Schließlich hatte man viel erlebt Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre. Nicht nur auf der Rundstrecke, auch auf deutschen und europäischen Rallyestrecken….was für ein Abend.

Nicht, dass ich meinem Gegenüber die unausweichliche Frage quasi versucht habe aufzudrängen, nein, das wäre mir nun wirklich nicht in den Sinn gekommen; aber, die Frage kam: „ Sag mal Lars, wie sieht es eigentlich bei Dir mit der Rennerei aus? Machst Du noch was?!“ Oaaahhhh, wie überraschend kam das denn? Grins! „Och, ich mach nichts; wie auch; Du weist ja, Zeit, Geld etc. pp…., da geht nichts!“ „Wieso, ich krieg`s doch auch hin?!“ war die Antwort….schon klar, von Berufs wegen; wohl eine andere Nummer!

Nun, ein paar Telefonate später war alles klar; Mann würde versuchen, sich sportlich wieder soweit fit zu machen, dass Mann sich in ein Rennauto setzen kann, ohne schon nach den ersten Kilometern japsend aus der Karosse zu kippen. Leider spielte mir in 2012 dann die Gesundheit einen Streich und das Projekt musste ersteinmal verschoben werden. Nichtsdestotrotz wurde das Fitnessprogramm weiter geführt.

Ende 2012 begann ich dann damit, ein Team für das Vorhaben zu suchen. Es sollte ein kleines Team in der VLN sein, familiär, professionell und vorzugsweise aus der Nähe vom Nürburgring und zu guter Letzt, sie sollten BMWs einsetzen. Meine alten Kontakte bei BMW Motorsport gab es noch und so war nach bohrender Fragerei schnell klar, welches Team es sein sollte: SORG Rennsport aus Wuppertal! Aus Wuppertal, eine weitere Fügung, denn mein Vater war lange Jahre in Wuppertal selbst BMW Händler und ich als gebürtiger Gevelsberger wusste, da stimmt bestimmt die Chemie von vorneweg! War auch so J!

Nach einigen Gesprächen wurde mir aber auch klar, dass es etwas mehr bedurfte als nur Lust auf die Vision zu haben. Zuerst musste ich mal die Lizenz erneuern; oh je…über 45; das hieß neu machen incl. Gesundheitscheck und DMSB-Lizenz-Kurs. Anfang 2013 boten die Sorg`s eben einen solchen Kurs in Zandvoort an, incl. Testfahrten auf Ihren Rennfahrzeugen.

Eine ideale Gelegenheit zu schauen, ob man sich mit dem Thema nicht übernehmen würde und später vielleicht nur als fahrendes Hindernis auf der Strecke rumparken würde. Nachdem ich die Theorie am ersten Tag erfolgreich abgeschlossen hatte, durften wir am nächsten Tag auf die Strecke. Sektionstraining: irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es noch ging….an dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich zu früheren Zeiten während des Studiums Teilzeit-Instruktor bei BMW war und auf diversen Strecken in Mitteleuropa euphorischen Asiaten und Amerikanern versucht hatte, dass Schnellfahren in diversen BMW M-Fahrzeugen beizubringen.

Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Nun, immerhin bescherte mir das eine gewisse Erfahrung, wie man mit neuen Strecken umgehen muss. Aber, das Gefühl stimmte und auch die Instruktoren des Kurses bekräftigten mich darin: ok, man weis hier natürlich nie, inwieweit die Aussagen wirklich ernst zu nehmen waren; ich war ja selbst mal so einer und habe den Teilnehmern gesagt, alles gut! Spaß beiseite, dass Sascha später sogar mit mir zusammen in einem Team fahren würde unterstrich mein initiales gutes Gefühl nochmals…. Dann kam der große Moment; ziemlich genau 20zig Jahre nachdem ich das letzte Mal in einem Rennfahrzeug gesessen hatte (damals war es ein BMW M3 E30 Gr.A aus der DTM vom Team Valier Motorsport), durfteich mich wieder in einen Renner einpflanzen; so kam es mir zumindest vor…..watt is der Z4aber auch eng…..

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Schuhlöffel war auch keiner zur Hand, aber irgendwie ging es. Daniels Kommentar beim Einsteigen war; „man merkt schon, dass Du nicht zum ersten Mal in ein Rennauto einsteigst“….das tat gut; hab ich mich wohl nicht zuuu doof angestellt. Dann sagte er noch „pass auf, dass ist ne Zicke!“, na, wenn meint er denn jetzt??? „besonders auf der Hinterachse beim Rausbeschleunigen!“….ach so, er meinte den Z4 und nicht eine der Anwesenden netten Begleiterinnen oder Teilnehmerinnen des Kurses…

Motor an und los! Ich kann gar nicht sagen, wie groß mein Grinsen im Gesicht war, aber ich hätte mit Sicherheit eine Banane quer essen können. Was für ein Gefühl; Emotionen pur. Nun, das lag mit Sicherheit auch daran, dass es in der Firma gerade megaschwierig war und diese Ich-Fahr-Nach-Holland-Auf-Die-Strecke-Und-Blas-Mein-Hirn-Frei-Geschichte ihr Übriges zum allgemeinen Wohlbefinden beigetragen hat. 40zig Minuten durfte ich dann im Z4 den Kurs genießen, dann nochmal 40zig Minuten im gerade neu aufgebauten und noch nicht einmal fertig lackiertem 330i Coupé.

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Der M3 erlitt leider einen Motorschaden (Thomas, Thomas…..), so blieb der Test an dem Wochenende mit ihm für mich und auch allen anderen aus. Wer weis, wofür es gut war?!

Mit dem 330er kam ich auf Anhieb sehr gut zurecht. Super neutral und einfach zu fahren dabei dennoch schnell. Relativ unspektakulär für ein Renner, weil wohl der Sound fehlte; der macht üblicherweise noch mindestens 10% schneller!

Im Nachgang zu dem Wochenende einigten wir (Sascha und mein Schwager Thomas) uns darauf, in 2013 einige Läufe auf dem 330i in der VLN zu fahren, nachdem wir zunächst die RCN ausprobieren wollten, um wieder die ach so berüchtigte Grüne Hölle beherrschen zu lernen; soweit das überhaupt möglich ist. Vision Teil 1 war damit erfolgreich erreicht und an der Zeit (da ist dieses Wort wieder), sich über weitere Schritte Gedanken zu machen.

Das große Ziel sollte das 24h Rennen am Nürburgring sein. Einmal dieses legendäre Rennen im eigenen Team fahren und ankommen. Mit dieser Truppe scheint das möglich! Was für ein Traum!!! Aber alles ganz behutsam und hübsch der Reihe nach…. Leider fielen die ersten Events am Ring dem Wetter zum Opfer, später der fehlenden Zeit…., sodass ich erst zum 24h Rennen 2013 wieder an die Nordschleife kommen konnte. Das allerdings war ein geniales Erlebnis!

Thomas und ich wollten das Rahmenrennen, den RCN Lauf bestreiten. Leider, leider, denn es wäre schon ein tolles Erlebnis gewesen, vor dieser Kulisse das Debut zu geben, fiel auch dieser Lauf dem Wetter (dichte Nebelsuppe) zum Opfer….also wieder vertagt. Wenigstens hatte ich in der Startaufstellung einen von Rachel Frey pilotierten Audi R8 LMS hinter mir gelassen. Sie war beim Parken auch nicht schneller als ich…..

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RCN 6 sollte es dann endlich sein! Wir wollten zu dem Zeitpunkt schon 2 VLN Läufe bestritten haben, aber auch bei Sascha spielte die Zeit nicht mit. Es war auch gut so! Nach dem RCN haben wir uns zusammen gesetzt und beschlossen, erst in 2014 VLN zu fahren. Es müssen erst mehr Runden und damit Sicherheit her, sonst hat das hier alles keinen Sinn. Ich selbst habe zwar schon einige hundert Runden auf der NOS auf der Uhr, aber im Renntempo ist es dann doch nochmal ganz etwas anderes. Man muss das Auto kennen lernen, die Grenzen ausloten und sich langsam rantasten; von den anderen, viel schnelleren Fahrzeugen auf der Strecke, mal ganz abgesehen. Mit denen muss man sich auf der Strecke auch noch arrangieren. Manchen fällt es eben nicht leicht, in den Rückspiegel zu schauen und dabei noch eine saubere Linie auf die Strecke zu zeichnen…

Die Sicherheit kam zusehends und die Rundenzeiten wurden besser und besser; aber ob das alles für 24h 2014 reichen würde? Ganz ehrlich? NEIN, auf keinen Fall, wenn man nicht sich selbst und andere unnötig gefährden will, dann noch ein Jahr dranhängen und die VISION und das ZIEL 24h 2015 angehen. Trackdays auf der NOS helfen dazu natürlich auch und so haben wir Ende Juni die Chance genutzt, einen zwei-tägigen Test zu fahren! Bei 35° eine echte Herausforderung an Mensch und Maschine…..

Dennoch, die Entscheidung stand, 24h nicht vor 2015!

Ein weiterer Fahrer im Team Sorg, Christian, der auf dem 130i RCN fuhr, hatte doch tatsächlich ein ganz ähnliches Vorhaben! Wir kamen während der RCN ins Gespräch und beschlossen, daß das unser gemeinsames Ziel sein sollte. Als Vorbereitung auf dieses grosses Motorsport-Event die ganze Saison 2014 RCN zu fahren, dann zu Beginn in 2015 die obligatorischen 3 VLN Läufe. Vielleicht juckt es uns schon zum Ende der Saison 2014….man wird sehen!

Mit dem vergangenen 3H RCN Rennen Ende Oktober haben wir bereits einen ersten Team-Testlauf absolviert. Ich denke, hier haben sich Zwei gefunden. Wir werden viel Spaß haben, denn das steht bei uns und dem Team Sorg Rennsport ganz oben auf der Liste. Und mit dem Spaß wird auch der Erfolg kommen, dessen sind wir uns sicher. Erfolg brauchen wir, denn die nächste Hürde heißt Internationale C-Lizenz. Dafür sind 5 Ergebnisse unter den ersten 50% der Klasse notwendig. In der V5 keine einfache Aufgabe, da die Klasse doch recht stark besetzt ist und viele alte Haudegen uns das Leben schwer machen werden.

Die Planung steht! Drückt uns alle die Daumen, dass es was wird. In 2015 wollen wir nichts weiter als ankommen!!!

3 Kommentare zu “Vision und Ziele

  1. Super Kommentar! Ich lese immer wieder gerne Ihre Rennberichte von vergangenen VLN Läufen oder ähnliches. Ich versuche auch so oft wie möglich am Ring zu sein, was mir ab nächsten Jahr mit dem Führerschein doch erheblich leichter fallen sollte. Ich schaue mir auch gerne an, wie andere ihren Weg in den Einstieg in den Motorsport beschreiben, was schließlich auch mein Ziel sein wird. Und da gibt es für mich nichts schöneres als die VLN. Man bemerkt schon als Zuschauer die angenehme familiäre Atmosphäre, die sicherlich als Mitglied in einem Team noch viel intensiver sein wird.
    Ich werde mich an einem Maschinenbaustudium versuchen, alternativ eine Lehre zum KFZ-Mechatroniker anstreben. Irgendwas muss im Motorsport stimmen. Das nötige Geld oder das richtige Knowhow. Am besten gleich beides… Ich habe von einem Kumpel gehört, dass jemand aus dem Team Sorg Rennsport aus Oppenrod kommt, was von mir nicht weit entfernt ist. Es wäre eine schöne Vorstellung, irgendwann mit demjenigen zum Ring zu fahren und beim Team vorbeizuschauen und gegebenenfalls zu helfen wo Hilfe benötigt wird.
    Ich versuche in diesem Jahr noch zur VLN zu kommen, schließlich kann ich mir den neuen Bentley nicht entgehen lassen. ;-)
    Des weiteren wünsche ich euch allen viel Erfolg in Sachen roadto24h! Finde auch die Aktion ,,Mission Possible – Racing with Handicap“ echt sympatisch und vorbildlich! Nur weiter so!

    Gruß
    Marvin

  2. Hallo Marvin,

    danke für Deinen Kommentar! Setze Dich doch mal mit Daniel Sorg in Verbindung. Sie haben immer ein offenes Ohr für hilfsbereite Motorsportbegeisterte. Wer aus Oppenrod kommt kann ich jetzt leider nicht sagen, Daniel aber sicher!
    Schau doch mal in Box 32 beim nächsten VLN vorbei. Viel Glück bei der Berufswahl; beides hat wohl Zukunft, eine Kombi aus Lehre und Studium finde ich persönlich am besten, da heute das Praktische im Studium viel zu kurz kommt.

    Gruss,
    Lars

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