ADAC 6h Qualifikations-Rennen; Tempolimit, oder doch nicht?

Der letzte wichtige Schritt zum 24h Rennen am Nürburgring konnte am letzten Wochenende vollzogen werden: das Qualifikationsrennen zum 24er, obwohl das Wort Qualifikation für uns nicht wirklich zutreffend ist, da wir schon seit Ende der letzten VLN Saison qualifiziert waren. Es ist also eher Spass und Training, aber das umso wichtiger.

Das Rennen stand unter strenger Beobachtung seitens der Teams, Fahrer, Veranstalter, des DMSB, der Presse, sowie allen Anderen die sich in der jüngsten Vergangenheit mit dem Thema Streckensicherung nach dem fatalen Unfall während VLN 1 beschäftigt hatten. Man konnte viel Sinn und Unsinn in den vergangenen zwei Wochen darüber lesen; jeder hatte genug Zeit, sich seine Meinung dazu zu bilden, so auch ich!

Um es vorweg zu nehmen; die Slow-Zones gehen uns in dem V5 mal gar nichts an. Wir erreichen gerade so (wenn überhaupt) am Ende der Beschränkungen den Speed und es dürfte vielen anderen im Feld ebenso ergehen. Ich hatte während des ganzen Wochenendes den Eindruck, dass die Slow Zones das ganze Rennen etwas entzerren und tatsächlich generell entschleunigen, aber durchweg im positiven Sinne. Es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre auf der Strecke. Gut, das mag auch an der relativ geringen Anzahl der Starter gelegen haben, aber dennoch, es war angenehmer und immer harmonisch und fair! Danke an die “Dicken” (GT3 & Co.), Ihr habt alle einen klasse Job gemacht! Für die Kürze der Zeit wurde eine sehr positive Lösung seitens der Verantwortlichen geschaffen, auf der man sicherlich aufbauen kann. In Summe ist es bestimmt sicherer geworden, für Fahrer wie Zuschauer. Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe; es muss sich jedes Team, jeder Fahrer selbst dazu committen, oder eben auch nicht. Falls nicht, fährt man einfach nicht. Grundsätzlich leidet die Veranstaltung meines Erachtens aber nicht darunter.

Nun aber zum eigentlichen Geschehen, dem Rennen.

Freitag Abend Anreise. Das Auto stand schon fix und fertig in der Box, so wie man es von den SORG`s gewohnt ist.

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Unter der Woche hatten wir noch eine Diskussionen zum Thema Reifen. Wir haben auf dem Manga-Baby nun auch Dunlop Slicks, die das Fahrverhalten gegenüber den Yokohama Slicks doch deutlich verändert hatten. Im letzten Jahr hatten wir zu VLN 10 endlich das Setup gefunden, welches das heftige Untersteuern ausgemerzt hatte. Nun fing das bei VLN 1 wieder an; neues Spiel, neues Glück. Ich war damit nicht wirklich zufrieden, aber Daniel mahnte zur Besonnenheit und meinte; wir bekommen das schon hin! Im Grunde hat er Recht (wie so oft ;-) ). Man muss sich als Fahrer auf neue Begebenheiten einstellen können und dann damit arbeiten. So stand also für den Samstag Morgen Test auf der GP-Strecke Fahrwerksabstimmung an. Da wir das Auto nach der intensiven Arbeit in 2014 grundsätzlich gut verstehen, sollte es einen Weg geben, dem Untersteuern zu begegnen.

Samstag Morgen: Wetter….., ja, wieder Wetter….Regenradar zeigt es an, da kommt was. War ja klar…dunkle Wolken am Himmel, nachdem der Freitag so herrlich sonnig war….egal, ich geh erstmal Laufen, noch regnet es nicht.

Nach Josef`s Rührei gut gestärkt an der Strecke angekommen, angezogen, Helm auf: nutzt alles nichts, raus auf den GP Kurs und Runden drehen. Nach gut 50 Runden und diversen Einstellungen konnten wir ein Setup finden, welches annähernd so gut war, wie das aus dem letzten Jahr mit den Yokohamas. Ebenso der Tipp vom Teamchef, das Auto anders zu fahren und es etwas aggressiver angehen zu lassen half ungemein. Geringes Untersteuern auf dem GP Kurs bedeutet auf der NOS nahezu kein Untersteuern bis auf die bekannten Stellen wie Wehrseifen und ähnliche. Damit konnte ich leben!

Meine beiden Teamkollegen trudelten auch am Samstag Vormittag ein und konnten noch ein paar Runden im Trockenen drehen. Auch sie waren zufrieden mit dem Auto.

Bevor es an das freie Training auf der Nordschleife ging, fuhr noch die RCN. Das war ein ziemlich spannendes Rennen, da es mal wieder wechselhafte Bedingungen gab. Ebenso gespannt erwarteten wir die ersten Eindrücke bezüglich der Tempo Regelungen. Auch an der Stelle war das Feedback durchaus positiv.

16:50 Uhr: langsam wurde es ernst und das freie Training begann.

Ich drehte die ersten beiden Runden und war begeistert vom Fahrverhalten des Autos. Allerdings bremste mich ein “hängendes” Gaspedal in der zweiten Runde ein. Die Gasannahme war irgendwie merkwürdig verzögert….21…22….das ist im Rennfahrzeug, welches mit Zwischengas beim Runterschalten gefahren werden will denkbar blöde…also rein in die Box. Dominik hat gleich den Fehlerspeicher ausgelesen. Mein Kollege ist nochmals rausgefahren, rapportierte aber das gleiche Syndrom. So konnte man nicht fahren. Der erste Fehler im Manga-Baby seit knapp 2 1/2 Jahren und dann bei einem so wichtigen Event…
Was war es? Wir haben uns in der Mittagspause den Fehler selbst eingebaut. Ein defekter Hub am AIM hat falsche Werte gemeldet welches das Fahrzeug mit Unwilligkeit quittierte. Hub raus, neuer Hub rein. Alles gut. Beide Teamkollegen fuhren ihre Runden und liessen schon aufhorchen was die Zeiten anging. Da musste sich der alte Zander schon ganz schön lang machen, um da dran zu bleiben. Meine Herren!!!

Kurz vor 19:00 Uhr dann Start zum Q1.

Klar war, dass ich meine Pflichtrunden fahren würden und der schnellste Fahrer eine Zeit setzen sollte. Kurz vor 20:00 Uhr tat er das dann auch und bügelte eine 10:16 in den Asphalt, welches Platz 1 bedeutete. Wow!

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Dann fing es kurz nach 20:00 Uhr an zu regnen und wir beschlossen, nichts zu riskieren und aufzuhören. Leider, denn so konnte keiner bei Dunkelheit mehr fahren, was ich als Vorbereitung für das 24er schon ganz gerne getan hätte. Aber…der heftige Regen, Nordschleife im Dunkeln…wenn es nicht sein muss…
David, unser Crew Chief hatte beschlossen, das Auto nochmals komplett zu vermessen. Wie sich herausstellen sollte, eine durchaus gute Idee. Die Spur an der Vorderachse war ziemlich verstellt. Mit perfekt eingestellter Spur sollte es am Renntag noch besser werden.
Endlich um 21:30 haben wir das Gelände verlassen, um uns noch ein schönes Stück Fleisch in der Pistenklause zu gönnen. Wir sassen mit den anderen alten Hasen mit meinen zwei Teamkollegen in einer netten Runde und plauderten Benzingespräche. Witzig, was die Jungs alles um den Motorsport erlebt haben :-) ! Netter Kommentar zwischendurch zum Thema “Heisser Stein”: ich geh doch nicht essen, um mir anschliessen mein Essen selbst zu kochen…. hahaha, so sehe ich das auch und habe ein fertiges Stück Fleisch bestellt.

23:30; müde, etwas matt, leicht feuchte Nase….ab ins Bett. Aber dennoch, es war ein bereits ein toller und zufriedenstellender Tag!

Sonntag Morgen, 06:00, Dreiwettertaft und die Frisur sitzt. Laufen gehen? Ne, heute mal nicht, würde ja noch genug schwitzen, irgendwann mal!

09.00 Start Q2; Strecke leicht feucht, das könnte bedeuten, dass die Zeiten aus Q1 von gestern Abend Bestand haben würden, aber warten wir es doch mal ab.
Ich habe für mich beschlossen, sollen die jungen Kerls doch bitte das Qualifying übernehmen. Zuerst wurden die neuen Reifen für das Rennen auf dem GP Kurs angefahren.
Dann Wechsel auf die Reifen vom Vortag und raus auf die Nordschleife. Unser Fahrerkollege Heiko rapportierte leicht feuchte Stellen auch auf der NOS. An eine Zeitenjagd war noch nicht zu denken. Nach zwei Runden Wechsel. Es blieben uns noch gut 15 Minuten, die Zeit von 10:11 des Adrenalin Z4 zu toppen. Die Strecke war jetzt fast trocken; also nochmals rein und einen letzten Versuch angehen; es hat sich gelohnt. Mit einer 10:09 konnten wir uns die Pole sichern. Toller Erfolg und eine super Zeit!

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In der Zwischenzeit hatte ich mir nochmals die Daten vom Vortag angeschaut, um herauszufinden, wo ich Zeit verliere und konnte ein paar Stellen ausmachen, an denen es besonders deutlich war. Es hängt viel an meinem zu langsamen Gasfuss. Das digitale ON-OFF liegt mir noch nicht so, aber ich komme Zug um Zug dahin….schauen wir, was das Rennen bringt. Immerhin konnte ich mich in Q1 um fast 20sec gegenüber meiner Zeit aus der VLN 1 verbessern und das war für mich schon ein Erfolg; nicht schlecht für so einen alten Mann, lol! Also Arschbacken zusammen und angreifen!

11:30 Uhr Vorstart

Prozedere wie in der VLN mit dem Vorteil, dass wir dieses Mal nicht so weit nach hinten laufen mussten. Da nur 70 Fahrzeuge am Start waren, würde es auch nur eine Startgruppe geben.

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12:00 Start

Das Startgetümmel haben wir uns standesgemäß von der M-Tribüne angeschaut! Leider hat unser Startfahrer durch einen sich sich in der Kurzanbindung drehenden Lexus gleich mal 3 Plätze verloren. So ein Pech…

Aber was dann folgte war ziemlich beeindruckend. Unbeirrt der Tatsache, dass die vor ihm Fahrenden auch nicht langsam waren, holte er schon in den ersten beiden Runden die 10sec Rückstand wieder auf und so fuhr die Klasse V5 rundenlang in einem 3er Paket herum. Toller Sport und es kam eine super Spannung auf. Das macht es aus! Keine Zeit zum Luftholen in der Box. Fahrer #2 machte sich bereit für seinen Stint. Boxenstop, alles lief perfekt. Der Z4 von Adrenalin kann offensichtlich 2 Runden mehr fahren; wir würden das mit einem Stop weniger kompensieren, da wir nur drei Fahrer sind. Er war gerade aus der Box, da kam ein Marshall, der uns darauf aufmerksam machte, dass die Motorhaube hochsteht und wir zum Check in die Box kommen müssen.

So sah das dann später getaped aus: neuer Name für`s Baby: Nasenbär :-)

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Er war aber schon auf die Nordschleife abgebogen. Also hoffen, dass das hält. Der Check danach hat uns kann 4min gekostet; wie ärgerlich. Wir fielen dadurch auf den 5ten Platz zurück und mussten uns somit wieder vorkämpfen. Gegen Ende vom Stint ein Funkspruch: “gehört der Cayman vor mir auch in die V5?” David: “ja!”, Fahrer: “Ok, dann mach ich`s jetzt!” Haha, so locker hat er sich den Cayman dann doch nicht geschnappt, aber er hat ihn sich geschnappt! Klasse Manöver. Es war ein perfekter Stint. Tolle konstante Zeiten und somit die Chance gewahrt, wieder nach vorne zu kommen.

An vierter Stelle liegend habe ich dann das Fahrzeug übernommen und war echt hoch motiviert! Es mussten gute Zeiten her, damit wir uns wieder vorne ranknabbern können. Ein paar Doppelgelbphasen machten mein Vorhaben aber echt nicht einfacher, meine eigene Gesamt-Zeit zu verbessern. Nun, die Gegner würden da auch durchmüssen, also weiter kämpfen. Irgendwann kam dann mal die Meldung, dass wir an zweiter Stelle seien.

Den dritten Platz hatte ich mitbekommen, da ich den Z4 auf der Strecke überholen konnte, aber was war mit dem bis dahin Zweitplatzierten? Offensichtlich hatten auch sie technische Probleme und hatten einen längeren Boxenstop. Des einen Leid, des anderen Freud, wir waren wieder Zweiter und das allein zählt. Der Adrenalin Z4 schien aber uneinholbar auf P1. Sollte da nicht auch etwas passieren, dann müssen wir uns auf die Verteidigung des Erreichten konzentrieren. Aber….auch das wäre schon ein ganz grosser Erfolg!

Nächster Boxenstop; Vincent wieder ins Auto. Ich war mit meinen Zeiten ganz zufrieden, nochmals schneller als am Vortag. So langsam komme ich mit dem Auto, mit dem Gasfuß und dem Reifen klar. Bei den Zeiten, die unser schneller Mann mit dem Auto fährt habe ich sowieso keine Argumente :-) ! Es liegt nur an mir und sonst an nichts weiter.

Gerade aus dem Auto ausgestiegen, hat mir Olli Martini das Mikro ins Gesicht gehalten; er wollte mich zum Thema Manga-Baby interviewen. Oh, klasse, hat er sein Versprechen doch wirklich wahr gemacht! Freude! Kurz die Haare trocken, Brille auf….man muss ja gut aussehen als Rennfahrer (hatte ich am Vorabend von Didier gelernt). Es war ein nettes Interview, zumindest für mein Empfinden. Ich hoffe, ich habe nicht zuviel Blödsinn von mir gegeben. Ist aber schon klasse, wenn man auch als “kleiner” Mitstreiter mal die Aufmerksamkeit bekommt; freut einen dann irgendwie doch!

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Wir brannten ein echtes Feuerwerk ab und mit einer 10:01 in der 24h Variante des Nürburgrings haben wir die bis anhin beste Zeit des Manga-Babys auf dem Kurs gefahren. Das entspricht in etwa einer 9:35 in der VLN Variante…..irre Zeit! Da habe ich noch was zu tun……aber der Mensch braucht Ziele!
Wir konnten mit der Performance den zweiten Platz zementieren. Welche Taktik sollte wir nun gehen? Ganz klar, Druck weiter aufrecht erhalten….vier Minuten vergehen schnell, wenn mal jemand ein kleines Problem haben sollte. Gesagt getan; es wurden konstant gute Zeiten, aber der Adrenalin Z4 war ebenso konstant und gut unterwegs!

P2 bei der Zieldurchfahrt!

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Was für ein Erfolg! Ein tolles Team im Rücken macht das möglich. Eine klasse Fahrerpaarung ebenso. Alle haben einen erstklassigen Job abgeliefert und ich konnte mit ein wenig Stolz am Abend mit Daniel und Danielle die Pokale in Empfang nehmen. Mir hat nur die Konfetti-Kanone gefehlt!

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Abschliessend muss ich sagen, dass es ein grossartiges Rennwochenende war und sich der recht kurzfristig gefasste Entschluss absolut gelohnt hat, an diesem Event teilzunehmen.

Jetzt freuen wir uns auf VLN 2 und dann das grosse Ereignis; das 24h Rennen im Mai!

Gruss,
Lars

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