24h Nürburgring 2015, der Höhepunkt der Road-to-24h Geschichte

Nun war es also soweit! Wir sollten tatsächlich am 24h Rennen teilnehmen. 2 1/2 Jahre akribischer Vorbereitung über Trackdays, Coachings, RCN, VLN, ein paar Rennen der Creventic 24h Series sowie dem 6h Qualifikationsrennen lagen hinter uns. Neben dem eigentlichen Training auf der Strecke haben wir auch ein Jahr an der körperlichen Fitness gearbeitet. Motorsport hat also auch einen Einfluss auf die Gesundheit wenn man es ernst nimmt; damit blieb nur das Fahrzeug selbst.

Kurz nach VLN 2 die Hiobsbotschaft, dass der Motor wohl Schaden genommen hatte. CO im Abgas und stark erhöhte Öltemperaturen sprachen nicht unbedingt dafür, dass es lediglich die Kopfdichtung sein könnte. Was tun? Es blieb nur eine Entscheidung; Motor wechseln und kein Risiko bei den 24h eingehen. Zuviel stand auf dem Spiel. Wenn wir nun schon dabei waren, dann konnten auch noch viele andere Dinge in Betracht gezogen werden. Querlenker, Spurstangen, Radträger, Radlager, Hauptlager……., die Liste wurde lang und länger. Immerhin hatte das Fahrzeug in der Vorbereitungsphase knapp 19.000 Rennkilometer abgespult und ausser einem Radlager und einem Deckel vom Kühlflüssigkeitsausgleichsbehälter keine weiteren Ersatzteile gebraucht. Motorsport geht eben doch recht günstig, wenn man mit dem Material anständig umgeht.

David, unser Car-Chief sowie Daniel und Benjamin haben dann das Auto mit Thomas zusammen vor dem 24h Rennen auf einen 1A Revisionsstand gebracht; quasi neu. An der Technik würde es damit nicht liegen, wenn wir nicht ankommen würden :-) ! Der Druck wurde höher.

Durch die ganzen Arbeiten verzögerte sich auch die neue Beklebung und alles wurde erst 10min vorm Verladen am Montag Abend fertig. Punktladung würde ich sagen!

Nun alles der Reihe nach!

Dienstag, 12.05.2015:

Ankunft am Ring am späten Nachmittag; schon geschäftiges Treiben überall. Boxen wurden eingeräumt, Autos zur TA verbracht. Ich spürte schon schon dieses Kribbeln in der Magengegend. Aufgeregt wie ein kleiner Junge vor Weihnachten. Warum eigentlich? Ist doch bloß 6x VLN….kann ja nicht soooo schlimm sein!
Da stand es, das Manga-Baby.

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Ich hatte das neue Design noch nicht fertig gesehen. Ich muss gestehen, ich war schwer beeindruckt von der Qualität der Arbeit. Christian hat sich mit seinen Jungs mächtig ins Zeug gelegt! Danke nochmals dafür! Ein paar Kleinigkeiten musste ich noch selbst erledigen. Die SORG Teamsponsoren mussten noch auf das Auto. Wir haben schöne Plätze für alle gefunden und zu meiner Überraschung wurde das Erscheinungsbild des Designs in keiner Weise gestört, ganz im Gegenteil, die Aufkleber fügten sich gut ins Gesamtbild. Jan hatte zuvor schon die Pflichtsponsoren sowie die Startnummern-Matten verklebt. Damit die Folie beim Entfernen keinen Schaden nimmt, wurden diese mit Hilfe einer Transferfolie aufgebracht, die sich nachher wieder leicht entfernen lässt. Das werden wir nun für den Rest der Saison immer so handhaben. Es stand eigentlich nichts weiter auf dem Programm ausser der Papier- und Klamottenabnahme. Christian würde auch später kommen, um das ebenso noch an diesem Tag zu erledigen.

Mittwoch, 13.05.2015:

Nach einem schönen Morgenlauf und anschliessendem lecker Frühstück bei Anneliese, machte ich mich auf zum Fahrerlager. Ich hatte noch ein paar Telefonkonferenzen zu erledigen und nutzte die freie Zeit mehr oder weniger zum Arbeiten und allgemeiner Ablenkung. Das nervöse Magenkribbeln war über Nacht verschwunden, oder vielleicht nur unterdrückt. Kein Zeichen von Aufgeregtheit sondern nur langsam ansteigende innere positive Anspannung mit Bezug auf die grossen Dinge, die noch passieren würden. Schlafen war auch nicht wirklich ein Problem. Wie war das Wetter? Eigentlich herrlich, warm, trocken, viel Sonnenschein, so ganz Eifel untypisch. Das würde sich sicher noch zum Wochenende ändern :-) ! Der Versuch, noch am Adenauer Race-Day teilzunehmen gelang. Ich wurde netter Weise in die erste Gruppe gepackt, damit ich rechtzeitig zum Teamfoto am Abend wieder im Fahrerlager sein konnte. Damit war dann der Nachmittag nicht mehr ganz so langweilig.

Mit den Rennfahrzeugen bis Breitscheid im Konvoi und dann geführt durch Adenau. Aufstellung auf dem Marktplatz, Interviews, Autogramme, Fotos, Fotos, Fotos. Viele viele Kinder, die alle ganz interessiert um uns (Peter war mittlerweile auch angekommen) herumstanden und uns Löcher in den Bauch fragten. Mit den neuen weissen Teamjacken mit Manga-Stick (danke an Peter und Ardortex) und den orangenen Mützen stachen wir aus dem sonst so schwarzen Einerlei der Motorsport-Teamkleidung schön heraus; so sollte es auch sein! Einigen Fans konnten wir den Traum vom einmal im Auto sitzen auch noch erfüllen. Ob sich allerdings alle an das noch am nächsten Tag erinnern würde wage ich zu bezweifeln. Manche hatten offensichtlich schon andere Gefechte mit dem Flaschengeist über die letzten Stunde geführt und waren nicht immer Herr ihrer Sinne. Aber alles lief zivil und gesittet ab. Tolle Atmosphäre und Olli Martini hat wie immer den Fahrern und Teamchefs schöne Interviews entlockt. Ich glaube, die Besucher hatten ihren Spass; ich hatte meinen auf jeden Fall. So etwas kommt mit Sicherheit auch nicht so schnell wieder!
Da war ja noch was…..Wetter; ich sass im Auto und man möge es glauben oder nicht; trotz des schönen Wetters über den ganzen Tag hat es dann in Adenau angefangen zu regnen…, was für eine Komik!

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Zurück im Fahrerlager haben wir dann auch gleich Aufstellung zum grossen Teamfoto genommen. René war mittlerweile vor Ort, sodass wir fast komplett waren. Leider fehlte Christian auf dem Foto. Photoshop wird`s richten!
Die Teamküche brutzelte schon leckeres Abendessen. Wir liessen uns im Zelt noch mit dem Gekochten verwöhnen und verschwanden dann frühzeitig im Bett.

Donnerstag, 14.05.2015:

Morgenlauf; nicht lange, nur ein paar km zum Lockerbleiben und Sauerstoff tanken. Grossartige Kulisse mit den blühenden Rapsfeldern und der Burg im Hintergrund. Herrliche Eifelluft; fast so gut wie am Bodensee…. Dreiwettertaft war heute nicht notwendig. Kaum Wind, blauer Himmel, so konnte es bleiben.

Die RCN würde also bei Traumbedingungen über die Bühne gehen. Musste so sein, denn ich hatte entschieden, des hohen Risikos wegen, auf den Start bei der RCN zu verzichten. Die Kollegen mussten sich also keine Sorgen machen, dass das Nass vom Himmel fallen würde. Das Fahrerlager war mittlerweile randvoll. Porsche Cup, WTCC, Youngtimer, RCN, lauter tolle Rennfahrzeuge, die auf ihren Einsatz warteten. Besonders gespannt war ich auf das Auftreten von Sabine Schmitz in der WTCC mit dem unterlegenden Chevy: ich denke, sie hat einen guten Job abgeliefert.

Interne Teambesprechung vor der eigentlichen offiziellen Fahrerbesprechung mit Car-Chief, Team-Chef und uns:

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Wir im Fahrer-Quartett waren uns früh einig, wie wir das Rennen angehen wollten. Es gab zwei Möglichkeiten; Einzelstints oder Doppelstints bei Nacht.
Wir haben uns im Laufe des Tages für Ersteres entschieden. Das würde zwar eine höhere physische Belastung bedeuten, da die Ruhephasen nicht lange sein würden, auf der anderen Seite sollte es aber auch das Risiko der Übermüdung im Auto minimieren und somit auch sicherer sein. Ob man bei der Outlap nach dem Boxenstop bis zum Finden des Rhythmus, oder am Ende eines Doppelstints durch Konzentrationsverlust mehr Zeit verliert, wird nun zumindest bis zum nächsten Jahr ein Geheimnis bleiben! Am Ende wird es sich ohnehin nur um ein paar Sekunden hin oder her handeln, die wahrscheinlich nach 24 Stunden nicht die grosse Rolle spielen sollten. Wir fühlten uns allesamt mit der Entscheidung wohl und darauf kommt es maßgeblich an.

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Langsam wurde es ernst. 1. freies Training um 15:45.

Christian und Peter sollten die ersten Runden in Angriff nehmen, da sich nicht soviel Fahrpraxis in 2015 hatten, wie René und ich. Beide fühlten sich auf Anhieb im Auto wohl und ich war ganz gespannt, wie anders das Auto nach der Revision sein würde. Alles funktionierte reibungslos. Das Auto war perfekt vorbereitet. Wir nutzen die ersten Runden, um sämtliche Bremsbeläge und Scheiben für das Rennen anzufahren.

Ab ins Fahrzeug, anschnallen und los. Schon die ersten Meter aus der Box waren grandios. Das Auto fühlte sich viel direkter und agiler an, selbst auf den alten Socken. Dann die ersten Meter das Hatzenbachgeschlängel herunter. Am Vortag ist mir das gar nicht so ins Bewusstsein gedrungen; aber manno-mann, wieviel Menschen waren denn da? Zelte, Wohnwagen, Gerüste und dieser Duft von Bratwurst in der Luft. Was war das geil…..Das ging so um die ganze Strecke; natürlich, die neuralgischen Punkte, wie Adenauer Forst, Metzgesfeld, Wehrseifen, Breitscheid, Klostertal, Karussell, Brünnchen, Pflanzgarten waren knallvoll, aber selbst an den etwas abgelegeren Streckenabschnitten säumten Fans die Leitplanken. Fahnen, Tröten, überall Volksfeststimmung. Spätestens jetzt wusste ich, was den Unterschied zu anderen 24h Rennen ausmacht; diese wohl einzigartige Mischung aus Verrückten, Fans und Campern rund um den Kurs; einfach grossartig!
Ich genoss jede Sekunde und ich glaube, den Kollegen erging es nicht anders.

Nach zwei Stunden war das Training rum und wir haben alle ein paar Runden abgespult. Das 1.Qualifikations-Training würde um 19.25 gestartet werden. Der Wetterbericht versprach nichts Gutes….. Unsere Taktik war auch hier klar; jeder sollte seine zwei Runden fahren, damit wir qualifiziert waren. Peter und Christian fingen an, René setzte trotz widriger Bedingungen die erste schnelle Zeit, die zunächst für P3 gut war. Dann kam ich ins Auto und es fing, wie sollte es anders sein, richtig zu regnen an. Ich hatte Bei nasser Strecke konnte ich noch eine halbwegs akzeptable Zeit fahren. Es war aber nicht überall nass und es trocknete zudem auch schnell ab. Peter und Christian fuhren noch je zwei Runden aber wir griffen nicht mehr an. Damit fielen wir auf P5 zurück. Nicht schlimm, morgen ist auch noch ein Tag….und der Startplatz ist für das Rennen auch nicht wirklich von Belang. Weiter hinten zu starten kann auch Vorteile haben.

Die Qualifyings der WTCC hingegen waren wirklich beeindruckend. Zeiten wie die Grossen und das mit 1.6l Motoren…..wie geht das?

Freitag, 15.05.2015:

Früh aufstehen, nicht mehr joggen….fit for Racing!
Der zweite Teil des Qualifyings stand auf dem Programm. Wieder war das Wetter nicht sonderlich gut, sprich Regen. Am frühen Morgen rief mich Daniel an, ob ich ein paar Regen-Reifentests für Dunlop würde fahren wollen. Wow, ich, testen für Dunlop?! Jo klar, wenn man die Chance hat, warum nicht? Zeiten für eine Verbesserung des Startplatzes konnten bei den Witterungsbedingungen ohnehin nicht gefahren werden, warum dann also nicht ein paar Erfahrungswerte mit neuen Reifen sammeln. Die Bedingungen waren eher suboptimal; feucht, nass, rutschig, schmierig, aber ideal für einen Test.

Gesagt, getan. Ich wusste nicht, was für Reifen mich erwarten würden. Meine Aussagen sollten neutral und unverfälscht durch Vorwissen passieren. Raus auf die Strecke, jeweils zwei Runden mit unterschiedlichen Reifen fahren, und wieder rein. War eine klasse Sache. Ein Satz hat unglaublichen Spass gemacht. Trotz feuchter Strecke klebte das Gummi auf dem Belag wie nichts Gutes. Ich musste echt aufpassen, das Auto nicht raus zu feuern. Nach getaner Arbeit konnte ich dem Ingenieur von Dunlop noch meine Erkenntnisse mitteilen. Mal schauen, was daraus wird. Ich würde das auf jeden Fall gerne öfters machen……

Die Strecke trocknete ab und René puschte nochmal für eine gute Rundenzeit für die Startaufstellung. Einen Ticken zu spät waren wir dran und so wurden wir von ursprünglich P2 wieder auf P5 durchgereicht. Beim 24h wird die Startaufstellung nicht nach Klassen, sondern nach gefahrener Rundenzeit durchgeführt und so war es dann doch recht spannend, wie viele Kontrahenten zwischen uns und den anderen V5 Autos noch stehen würden. Am Ende des Qualifyings war es klar, nicht ganz so viele. Damit würde der Start eine durchaus sehr spannende Sache werden.

Am Nachmittag fand noch das Youngtimer 24h Classic Rennen statt. Auch unser Teamchef Daniel griff dabei in einem Alfa ins Steuer. Schon das Training hatte ihm gezeigt, dass er deutlich mehr auf seine Fitness achten sollte…..vielleicht hat`s ja Klick gemacht ;-) !?

Danach fuhr die WTCC noch die beiden auf jeweils 3 Runden angesetzten Rennen. Christian und ich verfolgten das erste Rennen auf der Tribüne an der NGK Schikane. Innerhalb von 20 sec waren sämtliche Fahrzeuge vorbei, dann für ca. 8:30 nichts, dann wieder alle Fahrzeuge ruck zuck vorbei. Ähhhh, ok, das ist jetzt nicht so spannend…..aber dennoch toll anzuschauen, wie die kleinen Flitzer um den Kurs bügeln. Auch mal fahren wollen!

Samstag, 16.05.2015:

Der grosse Tag!!! 2 1/2 Jahre Vorbereitung und nun stehen wir da und freuen uns auf den Start im Rennen. Ich habe erst gar nicht diskutiert, aber den Start wollte ich unbedingt fahren. Irgendwie hat das auch keiner in Frage gestellt. Unsere Reihenfolge war: Lars, Peter, René, Christian. Würde alles nach Plan laufen, dann würde Christian den Schlußstint fahren können und damit in den Genuss kommen, über die Ziellinie fahren zu können.

Die Zeit wollte nicht vergehen und dann ging auf einmal alles ganz schnell….Vorstart; Helm auf, Trinkflache, Mist, wo ist das Ding; Kopfhöher, im anderen Anzug….zum Trailer rennen, anziehen, ins Auto raus.
Ich hatte den Helm auf und es wurde ganz ruhig um mich herum. Ist ohnehin eigenartig, dass sich grosse Nervosität bei mir in Puls 60 und Müdigkeit äussert. Ich sog einfach alles auf, schaute um mich und war im Tunnel. Tatsächlich war ich auf dem Weg in die Startaufstellung des grössten und anspruchsvollsten 24h Rennens der Welt. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass mir eine dicke Träne über die Wange geronnen ist. Ich war ergriffen und hatte Mühe, mich wirklich auf das nun Folgende zu konzentrieren. In der Startaufstellung angekommen, konnte ich das Fahrzeug nochmals verlassen. Es war noch gut 1 1/2 Stunden bis zum Start. Genügend Zeit, noch ein wenig zu scherzen, das ein oder andere Mal auf die Toilette zu verschwinden und den obligatorischen Angstpiesler zu absolvieren (ich war wohl 3 Mal weg :-) ), den Mitbewerbern alles Gute zu wünschen, um sich dann langsam fertig zu machen.

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Tür geht zu, David klopft mir durch die Scheibe greifend nochmals auf die Schulter und dann war ich alleine. Alleine im Auto, Motor läuft, Gang rein und los. Einführungsrunde. Unglaublich! Tausende von Fans säumten die Planken und jubelten jedem gleichermaßen zu. Anfahrt Steilstrecke, Fans auf der Strecke, Hand aus dem Fenster und abklatschen. Alle waren mindestens so gespannt wie ich, was die nächsten 24h bringen würden. Ich nutzte hier und da freie Abschnitte, um Reifen und Bremsen auf Temperatur zu bringen. Ich wollte unter keinen Umständen Ende Start/Ziel irgendeinem Konkurrenten in die Karre rauschen. Sowieso war das das Hauptziel; durch die erste Kurve ohne Berührung und Schaden, danach würde sich das Feld bis zur Nordschleife ohnehin sortieren und etwas entspannen.

Döttinger Höhe, nochmal letzte Schwenker und bremsen, Gridposition einnehmen; Anfahrt Hohenrain-Schikane, auf die Start-Ziel Gerade, Ampel, Grün, Grün, Grün. Und los geht`s!!! Auf der DöHö hatte ich meinen Puls noch am Kinnriemen gesprürt; jetzt war alles weg, ruhig geradezu; Lars, Du kannst das! Start noch nie gefahren, aber was soll da schon anders sein?!
Ende Start/Ziel, wo sind die anderen, Innenspiegel, Aussenspiegel rechts, Aussenspiegel links, wieder Innenspiegel. Ich hatte mich absichtlich auf die rechte Seite der Geraden orientiert, damit ich, falls es nach der Rechtskurve in der folgenden Links eng werden würde weit raustragen würde lassen können und so allem Schlamassel aus dem Weg würde gehen können. Funktionierte prächtig.
Wenn ich mich dann nicht kurz verschaltet hätte, dann hätte ich auch gleich zwei drei Plätze gut machen können. So aber ballerten die kleinen Clios an mir vorbei. Anfahrt Dunlop-Kehre konnte ich dann wieder einiges gut machen. Bergauf, Schumacher-S und……rummmmsssss! Zwei unserer Konkurrenten berührten sich, da der M3 den von hinten kommenden Z4 innen in der Kurve übersehen hatte. Beide drehten sich ins Kiesbett raus. Mir kam die Szene vom Adrenalin M235 in den Kopf, dessen aufgewirbelter Kies in der Frontscheibe des nachfolgenden Fahrzeugs landete und diese sowie die Seitenscheibe zerstörte. Also möglichst schauen, weit weg vom umherfliegenden Kies zu sein. Einer traf dann doch, genau im Sichtfeld des Fahrers….dabei blieb es aber auch.

Meine Strategie war klar; sobald sich irgendjemand bemerkbar machen würde und Ungeduld zeigen würde, würde ich ihn vorbeilassen. Das Rennen ist lang. Wir lagen nun auf P3, das war ja schonmal was. Beim Vorstart wurde mir zudem klar, dass wir inmitten der Phalanx der V4 Autos stehen und sogar noch bei den ersten Vier. Oh weh, das konnte was werden. Sicherlich würden sie alle ihre erfahrenen Piloten am Volant haben, wie Kollegen Derscheidt und Münch….letzteren hatte ich dann auch lange vor mir.

Es dauerte bis zur Mitte der dritten Runde, bis sich alles sortiert hatte. Ich hatte mich etwas freigefahren und machte mich auf die Aufholjagd des Z4, der mich in Runde 1 bei der Anfahrt zum Flugplatz frecherdings innen überholte. Dazwischen lagen zwei Clios und besagter V4 vom Münch. Dass es nicht leicht werden würde, einen V4 auf der Nordschleife zu überholen war mir klar, aber dass sich so eine 325i Limo so derart breit würde machen können……

In der Zwischenzeit waren die GT3 und Cup Porsche an uns vorbei und man musste nicht allzu oft nach hinten schauen. So konzentrierte ich mich darauf, die beiden vor mir Fahrenden zu schnappen. Das gelang mir dann auch auf der DöHö in einem Aufwasch. Ich hatte den Galgenkopf super erwischt und kam mit grossem Überschuss gleich am V4 vorbei. Der Z4 war gut 150m davor, aber auch diesen konnte ich dann aussen herum in der Antioniusbuche überholen. Das ist bei 240km/h schon etwas erheiternt; die Strecke wird nach der Links nicht wirklich breiter!

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Damit lagen wir wieder auf P3. Die folgenden drei Runden konnte ich die Distanz zum Z4 weiter ausbauen. P1 und P2 schienen unerreichbar für mich, obwohl ich meine beste Zeit auf der 24h Variante in diesem Stint gefahren bin und Runde für Runde trotz Verkehr jeweils eine Sekunde gefunden habe. Das lässt für die Zukunft hoffen. Der Abstand zum Klassenprimus wird kleiner.

Auf einmal wurde mir auch bewusst, dass wir tatsächlich ums Podium würden mitfahren können!!! Inlap, nochmals alles geben. Kondition hervorragend, zwar geschwitzt, aber hellwach. Könnten locker nochmal 8 Runden draufgepackt werden. In der Box angekommen, an Peter übergeben. Schulterklopfer der Teamkollegen, David, der Car-Chief war auch happy. Blick auf`s Tableau: P2!! Was war mit dem BF-Cayman? Ausgefallen! Einer weniger……

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Peter lieferte dann in seinem Stint eine perfekte Leistung ab. Bei Mischbedingungen blieb er auf Slicks draussen und holte erst bei heftig einsetzendem Regen die entsprechenden Gummis ab. Wir sparten uns somit einen ganzen Stopp und waren wieder dran an der Spitze. Die Jungs nebenan machten aber auch einen guten Job und so war jetzt schon klar, dass wir den Druck weiter aufrecht erhalten müssten; 24h Sprintrennen ohne Verschnaufpause, …… wie in Dubai. René übernahm von Peter und fuhr konstant sehr gute Zeiten. Er ist ohnehin der Schnellste von uns Vieren. René wurde von Runde zu Runde schneller und manifestierte somit den zweiten Platz. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt knapp eine Runde Vorsprung auf den Dritten herausgefahren.
Christian war merklich nervös. Aber einmal im Auto merkte man nichts davon. Auch er glänzte mit neuen persönlichen Bestzeiten. Offensichtlich vermittelt das Manga-Baby ein entsprechendes Vertrauen. Es wurde langsam dunkel…..

Ich bereitete mich auf den nächsten Stint vor. Ich durfte bei Dämmerung in die Nacht fahren. Eine unglaubliche Stimmung draussen auf der Schleife. Überall Lagerfeuer, LEDs, Musik. Wie soll man sich als Fahrer da konzentrieren? Es wurde relativ schnell stock finster, da kam das mit der Konzentration ganz von selbst. Das neue Licht war fantastisch. Mir reichte das Abblendlicht zusammen mit den Fernlichtern in den Nebelscheinwerfern, die den Kurveneingang perfekt ausleuchteten. Mein Eindruck aus Dubai bestätigte sich auch hier. Nachtfahren ist mein Ding! Ich erkannte auch die schnelleren Fahrzeuge sehr gut. Die Blendschutzfolie in der Heckscheibe hilft, dass man nicht bei jedem Aufblenden erschrickt. Leider war der Stint von mehreren Unfällen gezeichnet, sodass ich meine Rundenzeiten nicht ganz auf das Tagesniveau heben konnte. Ich verlor hier und da bis zu 1min.Ohne Code 60 wäre ich sogar schneller gewesen als am Tag. Dennoch fuhr ich auf den Führenden Adrenalin Z4 in der 3. Runde des Stints auf. Ich hatte also die Chance, uns zurück zu runden. Wer weiss, wofür es gut ist.

Es ist immer einfacher, bessere Zeiten zu fahren, wenn man jemanden vor sich sieht, den man einholen will. Kurve für Kurve wurde der Abstand kleiner und ich sah genau, wo meine Stärken und seine Schwächen waren. In der folgenden Runde konnte ich dann den Z4 Eingangs der NGK Schikane ausbremsen und zog vorbei. Drei Runden lang hatte ich dann das Gerät im Rückspiegel und kämpfte darum, etwas Abstand zu gewinnen. Dann passiert mir beim Anbremsen der Eingangskurve zur Nordschleife ein kleines Missgeschick: ich übersah die auf der rechten Seite der Strecke befindliche Bodenwelle und erwischte diese genau in dem Augenblick, wo ich auf das Bremspedal getreten bin. Kein ABS, blockierende Räder, ab ins Kiesbett. Schon beim Eintauchen in dieses tiefe Bett musste ich vor lauter Ärger ein “Scheisse” loswerden. Der Reifenstapel kam immer näher…..näher…..noch näher….touché! Mit etwa 5km/h knutschte ich den Stapel, der mich sanft aufnahm und wieder zurückfedern liess……pheeeeewwww, Glück gehabt! PIZZABOOTE?????? Ne, gibt`s hier nicht! Allerdings gab es 10min lang auch keine Hilfe! Das durfte doch nicht wahr sein. 10min stehst Du da im Kies und keiner kommt??!! Dann endlich! Rausgezogen, Marshall zeigt an “alles ok” und los…..ging aber nicht. Irgendetwas blockierte; es wäre gut, wenn man das Abschleppseil auch ganz los macht, dann würde man nicht versuchen, das Intervention Car mit auf die Strecke zu ziehen ;-) ! Seil los und weiter ging’s. Obacht! Ich habe sicher einiges an Kies im Auto, also beim Anbremsen der nächsten Kurve nicht auf der Ideallinie sein und die Strecke verschmutzen. Bis etwa Aremberg hatte ich dann den Kies auch los…..noch zwei Runden, dann Stint Ende; schade, ich muss wieder raus.

Die Boxenstopps sowie die folgenden Stints verliefen allesamt ohne Probleme. Jeder machte seinen Job routiniert und souverän, trotz teilweise schwieriger Bedingungen. Wir bissen uns auf dem zweiten Platz fest und bauten den Vorsprung zum Dritten stetig aus. In der Nacht fuhr ich noch unspektakulär den Dritten Stint. Dieser brachte mich in den Morgengrauen. Die aufgehende Sonne tauchte die Eifel stellenweise in ein zauberhaftes Rot. Am Streckenrand waren schon wieder oder immer noch die Lagerfeuer im Gang. Am Adenauer Forst hatte man wohl auf Frischholz zurück gegriffen, denn es machte sich eine beißend stinkende Qualmwolke breit. Da halfen auch die Nebellichter nicht, aber wir wissen ja wo längs fahren…..

Zurück in der Box habe ich versucht, eine Mütze voll Schlaf zu bekommen, vorher noch eine Kleinigkeit essen.

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Christians Taktik, während des Rennens kein Kaffee zu trinken, zahlte sich aus. Seine Sportdrinks waren unter den Stints ein perfekter Begleiter, man kam aber nachher schnell runter. Mit Koffein im Körper wäre das wohl so nicht gegangen. Eine Stunde Schlaf habe ich zusammen gebracht. Nicht viel….aber immerhin. Der letzte Stint stand an. Immer noch lag uns der Dritte im Nacken, weit weg, aber dennoch, wir durften uns keine Fehler mehr erlauben. Lockeres Heimrollen war nicht. Ausserdem konnte auch in Richtung P1 immer noch etwas gehen…..
Peter kam von seinem letzten Stint zurück und David beschloss, sicherheitshalber doch noch mal die hinteren Beläge zu tauschen. Dabei passierte es dann; ein Gewinde des linken Sattels wurde beschädigt und der Sattel liess sich nicht mehr montieren. David nahm sich dessen an. Lange und bange Minuten. Vier Runden Vorsprung, dann noch drei, noch zwei…..René ging mit reparierter Bremse wieder raus. Alles gut, durchatmen! Jetzt nur noch nach Hause fahren. Nichts mehr riskieren. René fuhr einen etwas längeren Stint, um den Vorsprung auf P3 zu sichern. Das gelang und am Ende konnte Christian die letzten vier Runden genießen. Den Erzählungen nach zu urteilen war es allerdings alles Andere als entspannt. Unkonzentrierte Fahrer, die einfach auf`s Gras fuhren, Überholmanöver, die nicht sein müssen etc. pp……alles egal!!

16:00 Uhr Zieldurchfahrt.

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Was dann folgte, kann man mit Worten eigentlich nur schwer beschreiben. Das gesamte Team lag sich in den Armen. Sicher stach der erste Platz des M235i besonders heraus und wurde auch entsprechend gefeiert. Auch die Jungs im V4 belegten einen hervorragenden 4. Platz. Der GT4 M3 wurde als Dritter seiner Klasse abgewunken. Eine unglaubliche Teamleistung aller Beteiligten. Ich selbst war sehr überwältigt. Grosse Emotionen, die in meinem Leben nur durch die Hochzeit mit meiner Frau und die Geburt unserer Kinder übertroffen wurde. Eigentlich albern, aber die nervliche Anspannung, die sich über Tage aufgebaut und potenziert hatte, entlud sich mit einem Mal. Einfach gigantisch! Als ich dann noch Bennie wie ein Schlosshund heulen sah, war es auch um mich geschehen. Gaaaaaanz grosses Kino auch bei unseren Boxennachbarn, die sich mit dem Opel Astra namens “Olaf” ebenso den Traum von der Teilnahme und Zielankunft erfüllt hatten. Wer Mama Schüngel gesehen hat, der weiß, was das für die Familie bedeutet.

Ganz zum Schluss, wie in jedem guten Film, folgen natürlich die Danksagungen. An erster Stelle möchte ich hier meine Frau erwähnen, die mich diesen Traum gerade leben lässt. Das ist nicht einfach für sie, da ich ohnehin auch beruflich viel unterwegs bin, umso mehr freut es mich!! Der Dank gilt natürlich auch meinen Teamkollegen, die durch ihre besonnene, aber dennoch schnelle Fahrweise den 2ten Platz gesichert haben: des weiteren dem Team SORG Rennsport, dass uns auf diesem Weg immer super unterstützt hat und in allen Lebenslagen zur Seite gestanden hat. Allen Supportern und Sponsoren, ohne die das sicher auch alles nicht geht!

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Grossartig! Jetzt müssen wir uns nur überlegen; ——- what next??? => Bathurst könnte was sein…..

See you on track,

Lars

Bilder von: Patrick Funk, Björn Fey und Daniel Spaar

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