12h Mugello 13.-14.03.2015

Einen Ausflug zum Rennen in Mugello, welches Teil der FIA-Creventic Series ist. Ein Ausflug im doppelten Sinne; zum Einen ist es ja durchaus schön, im Frühjahr in die traumhafte Landschaft der Toscana zu entfliehen, zum Anderen habe ich auch einen “Ausflug” zu einem anderen Team gemacht: Hofor-Küpper-Racing, die den bekannten blauen “Bob” BMW M3 E46 in der Klasse A5 seit 2011 in der Serie einsetzen und damit durchaus erfolgreich unterwegs sind. Für mich ein ganz neues Auto; sequentielles Getriebe, Renn-ABS, riesen Bremsen, ordentlich Bums und mörder Frittentheke. Also…..ein Rennauto. Hmm, mal schauen, wie ich das umsetzen kann. Martin und Bernd kennen das Auto seit geraumer Zeit, also wird es nicht ganz einfach, die Zeiten zu fahren, die man von mir erwartet; das waren zumindest meine Gedanken auf der Fahrt gen Süden.

Mittwoch: 09:00 Uhr

Pünktlich wie die Maurers kommt Kollege Frank Elsässer in Konstanz an, um mich aufzugreifen. Ui, Taxifahrt! Klasse! Mal nicht selber fahren. Hatte ich seit Jahren nicht; sehr angenehm.
Kurz nach dem Gotthard auf italienischer Seite den ersten Cappucino; das können sie einfach, lecker!
Frank musste noch einen Abstecher in der Nähe von Mailand zu einem Lieferanten machen. Ich nutzte die Zeit, um auch ein wenig zu arbeiten, wenn es auch Urlaub war, egal.
Gegen 15:00 Uhr machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Florenz via Bergamo und Verona. Alte Erinnerungen an diverse Modellautomessen in der Region kamen hoch. Zeit hatte ich genug auf dem Beifahrersitz.

Im Gegensatz zu sonst war ich gar nicht richtig nervös ob der Ding die am Wochenende kommen mögen. Merkwürdig ruhig und gelassen. Schon Routine? Ne, sollte noch kommen!

ETA 19.45 im Hotel! Wir hatten mit Paul und Oliver zum Abendessen ausgemacht; 20:00 Uhr. etwas verwegen, wenn man die italienischen Verhältnisse auf den Autobahnen kennt, die einen so manches Mal zur Weißglut getrieben haben. Wir haben es aber geschafft. erstaunlich. Paul hat ein sensationelles Restaurant ausfindig gemacht, in dem toskanische Spezialitäten gereicht werden. Ein Blick auf die Speisekarte lässt mich spontan rot werden; nicht vor Scham, sondern eher vor Wut. Was erdreisten sich die Konstanzer Gastronomen eigentlich für eine Pizza Margherita mittlerweile jenseits der 10,- Euro zu nehmen, wenn man hier einen gesamten Vorspeisenteller für 6,- Euro bekommt????

Schon das Ambiente war einfach traumhaft. Richtig urig und ein Kellner, der sich richtig ins Zeug gelegt hat; der versteht sein Handwerk und so haben wir uns völlig in seine Hände begeben und ihn wählen lassen. Das nachfolgende Essen war eine Sensation! Bis hin zum Bifteka Fiorentina, ein jenseits der 2kg wiegendes Prachtexemplar haben wir uns durch die gesamte Auslage gegessen. Aber immer nur kleine Happen; es sollte unser Kampfgewicht nicht zu sehr beeinflussen. Aber genug der Schwelgerei….hier geht es um Rennsport, oder ist Essen vielleicht doch wichtiger? Wir werden noch sehen ;-)

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Unsere Wege sollten sich nun für die nächsten drei Tage trennen, da die drei Jungs im GT4 von Sorg Rennsport das Rennen in Angriff nehmen werden. Mir blieb nur, ihnen viel Glück zu wünschen!

07:30 Frühstück am Donnerstag:
Erstes Zusammentreffen mit dem neuen Team. Wieder eine Taxifahrt, chauffiert vom Chef selbst! Danke Michael Kroll!

An der Strecke angekommen war schon alles vorbereitet. Kurz noch bei den Sorg Brothers vorbeigeschaut; Shake-Hands und mir noch ein paar nette verbale Ohrfeigen eingefangen :-) , klar, damit muss ich wohl an diesem Wochenende leben!

Erst das Auto studieren; Sitzprobe; A L S O, wenn man(n) sich oben auf die Kanten setzt, einen Moment wartet, dann macht es irgendwann “flutsch” und der dicke Fisch sitzt drin. Hahahaha, immer noch zu “fe**” für einen L-Sitz. Egal, fühlte sich gut an, wenn auch etwas eng.
Bernd erklärte mir das Auto; nichts grossartig anders, ausser diesem grossen Schaltstock in der Mitte. Das musste dieses Spielzeug sein, von dem der Peter immer so schwärmt. “Sequentiell, klack, klack, klack” sollte es dann im Getriebe zugehen. Freude.

Alles verstanden, dann einmal um 180° drehen und auf die andere Seite der Box; dort wartete noch ein Patient, der das Video System bekommen sollte. Ich hatte es schon am Montag in Kriegstetten verbaut, es mussten aber noch die Funkstrecke sowie die Stromversorgung eingebaut werden. Es ging alles zügig von der Hand, wenn auch diese Rennfahrer immer wieder stundenweise andere Pläne mit dem Auto hatten. Irgendwie war hier eine Rennveranstaltung im Gange und immer wenn ich in die Box kam, war dat Dingens wech….
So war es etwas schwierig, konstant das System zu konfigurieren; leicht ungeschickt von mir, das nicht schon am Montag gemacht zu haben. Vielleicht bekomme ich es noch hin.

Teamkollege Martin Kroll traf auch ein und wir nutzten die Chance, uns kurz über das weitere Vorgehen abzustimmen und die Abnahme der Anzüge und Helme zu machen.
Martin testete abschliessend noch das neue Gerät vom Bernd und ich sollte in der letzten Session der Private Tests noch ein paar Runden auf dem Bob drehen. Neue Strecke, neues Auto, nervös? Nein, immer noch nicht.

Rennanzug an, Helm auf, Handschuhe, Brille, einsteigen, anlassen, rausgewunken und los. Auf die Strecke….klack, klack, klack, kuppeln, klong, klong, klong….; Peter hast Recht; das hat was!!
Lass es langsam angehen Junge hatte mein Vater mir noch mit auf den Weg gegeben. Auf die alten Herren hört der gut erzogene Sohn (manchmal). Die Strecke macht schon in den ersten Runden einen sehr flüssigen Eindruck. Keine scharfen Ecken, alles gut einsehbar, breites Asphaltband, gute Auslaufzonen, gute Rundumsicht im Auto. Passt!

Bernd hatte am Morgen schon eine 2:08 in den Asphalt gestanzt. Ich absolvierte die letzten Besichtigungsrunden mit Zeiten um die 2:16. Das lies hoffen, dass ich nicht zu weit hinter dem Chef hinterher hinke.

Alle waren rundum zufrieden; auch das Hofor Team mit den beiden SLS spulte seine Runden ab. Das nach dem Unfall in Dubai neu aufgebaute Auto brauchte noch etwas Zuwendung, bis es den Ansprüchen der Fahrer genügte; aber auch das konnte noch am Donnerstag erledigt werden.

Mal zwischendurch gesprochen: wenn Ihr lieben Leser nun erwartet, dass ich hier einen Vergleich “meiner” beiden Teams ziehen würde, dann wartet Ihr leider vergeblich :-) ! Das Einzige was ich sagen kann ist, dass man bei Hofor-Küpper-Racing mit dem genau gleichen persönlichem Engagement an die Sache geht, ich einen sehr herzlichen Empfang als Fahrer erhalten habe und ich mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt habe! Alles Andere muss jeder selbst erfahren!

Ich bin dann noch eine schnelle Runde über die Strecke gelaufen; so sieht man dann doch die Linie noch etwas genauer. Das sollte für den nächsten Tag reichen!
Ein leckeres Abendessen der Hofor Bordküche rundete den guten ersten Tag ab! Leider habe ich das Video-System noch nicht zum Laufen bringen können. Das muss bis Zandvoort warten!

Freitag; Raceday
Frühstück, wie gehabt; Taxi zum Kurs und auf das Freie Training vorbereiten. Vorher, na klar; noch die obligatorische Fahrerbesprechung.

Ich sollte den letzten Stint im Training fahren, um noch ein paar Runden mehr auf die Uhr zu bekommen. Mit jeder Runde wurde ich mehr und mehr Freund mit dem Bob. Die Bremse ist sagenhaft; ich war immer zu früh dran. Selbst hinter einem Cup-Porsche kann man noch später bremsen, was die Jungs manchmal etwas zu verwundern scheint, dass man auf der Bremse wieder an ihnen vorbeikommt…Da lag die Zeit für mich. Jede Kurve später anbremsen, früher beschleunigen. Ich konnte mich auf 2.12 steigern.

Bernd fuhr das Quali.

Die Duller-Mannschaft fuhr geradezu Kreise um uns. Dem Gerät geht mal richtig gut; eine 1:58 würde sogar manchem 997/991 oder sogar GT3 noch gut zu Gesicht stehen. Die Jungs brannten ein echtes Feurerwerk ab. Klasse!

Damit war eigentlich klar, dass wir nur durch Konstanz nach vorne werden fahren können, denn auch das RTR Team ist mit seinem M3 E46 GTR deutlich schneller.
Das Rennen dauert 12h…..das ist lange!

12:30 Mittag, Vorstart.

Ab in die Startaufstellung. Allen nochmal die Hand geschüttelt, Bernd für den Start viel Glück gewünscht und dann habe ich mich gleich in die Box zurück gezogen, um mich auf meinen anstehenden Stint zu konzentrieren. Der Start verlief absolut problemlos.

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Alle benahmen sich sehr ordentlich und so kamen wir durch die erste Stunde ohne Code 60. Sowieso gab es im ganzen Rennen nur 4 Code 60 Phasen, wobei zwei nicht durch einen Unfall, sondern durch einen hochstehenden Kanaldeckel in Turn 9 verursacht wurden. Kurzerhand wurden dort die Curbs für die Nutzung gesperrt (ok, dass passiert erst am Samstag, aber bevor ich es vergesse, wisst Ihr es jetzt schonmal, denn das sollte später noch eine Rolle spielen…)

Bernd kam nach einem Super-Stint mit richtig guten Zeiten schon auf P2 liegend nach 1:40 rein zum Tanken: Von Nervosität keine Spur. Ich war echt entspannt und habe mich sogar richtig auf den Stint gefreut. Kaum auf der Strecke war ich dann auch im Tunnel. Ist schon eigenartig, wie man alles um sicher herum ausblenden kann und nur fokussiert auf die Strecke agiert. Alles läuft fast mechanisch ab. Man spürt die schnelleren GT3 um sich herum förmlich. Aber hier mal ein grosses Lob an die schnelleren Kollegen in dieser Serie: ich habe wie auch in Dubai schon wieder ein super faires Miteinander auf der Strecke erlebt. So macht Racing Spass :-) !! Ich hatte mir vorgenommen, an diesem Tag nicht zu sehr auf die Zeit zu schauen, sondern lieber konstant Zeiten zu fahren. Besser alles innerhalb 1-2 sec fahren, als einmal richtig Gas geben und dabei das Auto riskieren. Immer noch im Kopf; der Fisch kennt die Strecke noch nicht richtig und dann schwimmt es sich schlecht!

Meine beste Zeit lag dann bei knapp 2:11, also nur noch rund 5 sec hinter Bernd, aber im Gesamt-Klassement weit nach vorne gefahren und kurzfristig auf P1 in der Klasse.
Bernd hatte noch knapp 50min zu fahren. Wenn der Rundenrückstand auf Duller sich in Grenzen halten würde, dann hätten wir tatsächlich Chancen auf den Klassensieg. Bernd fuhr gewohnt seine Zeiten und stellte den Bob mit nur 1 Runde Rückstand nach Zeitenbereinigung in den Parc Fermé. Es hätte besser nicht laufen können! Nach 4h nur eine Runde bei im Schnitt 8sec Zeitverlust auf das Gerät….klasse! Auf den 3. hatten wir 7 Runden rausgefahren. RTR hatte leider technische Probleme. Das wünscht man keinem…..sonst trifft es einen selbst!

Die Hofor Bordküche bot leckere Hamburger zum Selberbasteln an. Hach, wie lecker. Ich habe immer noch den guten Geschmack von frisch gegrilltem Rind im Gaumen!

Hatte ich erwähnt, dass ich kurz vor dem Start noch den Konfigurationsfehler im Videosystem gefunden habe? Wie so oft kommen einem die besten Ideen auf dem Örtchen! In Zandvoort wird es also Bilder aus dem Auto in die Box geben.

Michael hatte gröbere Probleme mit seinem rechten Arm; Sehnenscheidenentzündung (oder auch als Tennisarm bekannt). Echt schmerzhaft; hält wohl immer noch an und war am nächsten Tag sicher ein Handycap, sein Mercedes-Taxi ordentlich bewegen zu können.

Heimfahrt ins Hotel….noch ein kleiner Plausch an der Bar; dann ab ins Bett!

Samstag: 08:00 Uhr, wieder an der Strecke

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Eis auf den Frontscheiben der Rennautos, die schön aufgereiht auf der Start-Ziel-Geraden übernachtet haben. Toll, die aufgehende Sonne in der Toscana, warmlaufende Motoren, ein heisser Kaffee an der Boxenmauer; Herz, was willst Du mehr? In Schlagdistanz zum Ersten der Klasse; es konnte nur ein guter Tag werden!

Restart zum Rennen: nicht in der Position im Gesamtklassement, sondern Klasse für Klasse aufgestellt. Das versprach Spannung, vor allen Dingen in den Klassen, wo es sehr sehr eng zu ging. So auch bei den BMW Cup 1, die ich natürlich immer mit einem Auge beobachtet habe. Schon am Vortag hatte ich mit Gustav nette Scharmützel auf der Strecke. Das sollte sich heute wiederholen. Gustav war sowieso voll motiviert; seine Lebensgefährtin am Morgen noch zum 40. Geburtstag (darf man das überhaupt sagen?) überrascht und nun vom dritten Startplatz aus in die letzten 8h startend. Auch die Teamkollegen lagen aussichtsreich auf P1, aber die Bonks waren ihnen dicht auf den Fersen. Ich habe alle Daumen gedrückt, leider hat es am Ende “nur” zu P2 und P4 für die beiden Cup 1 Autos von “meinem” Team gereicht. Schade, schade; ich hätte es ihnen wirklich gegönnt.

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Zurück zu unserem Rennen:

Martin fuhr den Start, Bernd den zweiten Stint; es ging immer hin und her um P1, P2, solange, bis der Duller BMW stabil fuhr und uns langsam davon fuhr, jedoch nie mehr, als 4-5 Runden Vorsprung hatte. Die sind oftmals schnell weg….also abwarten!
Bernd kam wieder zum Tanken, zwei Runden früher als geplant, dann brach auch bei mir etwas Hektik aus. Schnell den Helm anziehen, Brille, Trinkflasche; was vergessen? Ja, Handschuhe…..wo sind die zum Teufel? Im Truck….Sprint….Lauftraining zahlt sich aus. Ich stand parat und Bernd tankte noch.

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Dann Wechsel; ich stieg ins Auto; kein Bernd zum Anschnallen….äh, hallo? Wassn`n los? Ich sah Bernd die Haube öffnen und auf der Windschutzscheibe den Grund…..ein dicker Ölfilm rechter Hand. Oh weh….sollte uns das jetzt auch passieren? Auto wurde aufgebockt und in die Box geschoben. Vorteil; ich hatte genug Zeit, mich selbst anzuschnallen, den Funk einzustecken, meine Trinkflasche zu versorgen, alles ganz entspannt…..es wäre aber auch gut, wenn es dann mal losgehen würde, dachte ich, denn Adrenalinoverflow ist auch nicht dolle!

16min später das erlösende Zeichen; Motor an, Fahrzeug runter, raus und los. Lars, pass auf, Du hast kalte Reifen schoss es mir durch den Kopf. Anbremsen Turn 1 Ende Start/Ziel; jo, Reifen sind kalt! Ergo, langsam machen, bis sie wieder auf Temperatur sind. Turn 5 Rückspiegel => RTR M3 sichtbar. Gut der wird spätestens Turn 7 hinter Dir sein. Blöde Stelle zum Überholen lassen, das geht auch in Turns 8-9! Halt! Turn 9 ist doof, kommste zu weit raus hängste am Gulli ein und reisst Dir vielleicht was kaputt. Turn 7, RTR sowie unser Boxennachbar mit dem roten Seat hinter mir.
Beide konnte ich ohne Probleme vorbeilassen, da wir mit dem Seat nix zu tun haben und der RTR 12 Runden Rückstand hat. Turn 8 in der Mitte der Fahrbahn rausgekommen, ca. 155km/h, Blinker rechts. Zeichen für die hinter mir Fahrenden, fahrt links vorbei. Der Seat reagiert und bleibt links. Sergej dachte, dadurch, dass ich für einen kurzen Augenblick in der Mitte geblieben bin, die Innenseite sei frei und stach hinein. Ich war aber fest entschlossen, ebensolches zu tun; schliesslich biegt man ja ab, wenn man blinkt….RTR nicht gesehen toter Winkel, rums und es hat uns beide rausgedreht…..hätte, hätte, hätte Fahrradkette. Ich habe Sergej leider übersehen und ihn so quasi mitgenommen. Das tut mir leid und ich bin froh, dass er meine Entschuldigung nach dem Stint angenommen hat und wir uns mit Shake-Hands verabschiedet haben. Auch der Rennleiter sah es ähnlich; wer die Tür zu macht, hat nicht geschaut….man lernt nicht aus. Und bei knapp 160 ins Kiesbett segeln staubt schon gewaltig ;-) !So, ich bin also in meinem 2ten Stint in diesem Rennen nicht einmal eine Runde weit gekommen! Toller Einstieg….
Auto checken; Motor, sprint an….Bewegung null! Kies zu tief! Auf den Trecker warten. Funken….abwarten. Trecker kommt, zieht mich in die Tasche. Motor an. Läuft; Gang rein, geht, losfahren geht; Auto fühlt sich normal an.

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Der Streckenposten gibt mir Zeichen, ich solle die Rettungsstrasse runter fahren. Gesagt getan. Mannnoman poltert der Kies….gut 400m weiter dann Endstation!!
Steht doch da der Pizzabote, der gerade Essen für die Streckenposten verteilt????!!!!! Wildes Gestikulieren hilft nicht. Über Funk bekomme ich mit, dass der RTR schon zurück in der Box ist, ich noch weit davon entfernt. Nach endlosen Minuten bewegt sich dann das Auto endlich. Rückwärts fahren hat der Kollege definitiv nicht erfunden. Es dauert eine weitere Ewigkeit.
Nächste Engstelle, wieder zwei Autos auf der Gasse! Was machen die, wenn ein Notarztwagen kommt?
Endlich, ein Rollerfahrer setzt sich vor mich, denn ich hatte ja überhaupt keinen Plan, wie zurück zur Strecke?
Die Freude währte aber nicht lange. Nach 150m war er weg, wohin?? In einen Gullideckel gefallen? Ach ja, ich vergass….die Pilonen, die aufgestellt wurden, um die Nutzung der Curbs in Turn 9 zu verhindern haben Sergeij und ich mit unserer Tanzeinlage herrlich weggekegelt :-) !

So, nun Stand ich ich an einer Ausfahrt, die kurz unterhalb der Streckenzufahrt war. Links? Rechts? Oder doch Links? Wo zum Teufel geht`s hier zum Rennenfahren? Ich war auf 180; erstmal über mich selbst geärgert, dann über diesen dämlichen Pizzaboten, der es noch nicht einmal für nötig gehalten hat, mir was anzubieten und dann noch der Rollerfahrer, dessen Engagement gerade mal 150m gehalten hatte.

Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wie blöd der Parkplatzwächter geschaut hatte als ich volles Rohr durch die Streckenunterführung fahrend auf ihn zugedonnert kam. Ok, dann musste ich auch wieder lachen. Mein Trip endete dann hinter der Box im Fahrerlager. Eigentlich ein ganz guter Platz, um den Kieslaster zu entladen.

Es brach etwas Hektik aus. War klar, denn nicht jeden Tag kommt ein Rennfahrzeug ohne Grund an die Hinterseite der Box gefahren. Die Jungs beruhigten sich aber schnell und als klar war, dass das Auto keinen Schaden genommen hatte, konnte ich schnell wieder raus. Dann Angriff und volle Attacke. Mit dem notwendigen Grind im Gesicht konnte ich dann auch meine persönliche Bestzeit im Bob auf eine 2:09 bringen. Der Stint verlief sonst ohne grössere Probleme. Ich war erleichtert, dass ich irgendwann von Kevin hörte, dass wir wieder Zweiter waren! Duller musste nach meiner Rechnung mit den zwei Standzeiten etwa 20-22 Runden vor uns sein; also uneinholbar. Meine Reifen liessen in den letzten 5 Runden des Stints dramatisch nach. Ich hatte so ein derartiges Untersteuern. dass an schnelle Zeiten nicht mehr zu denken war; ich nahm etwas Tempo raus.

2h ist die Maximalzeit im Auto. Nach 1:56 bin ich ausgestiegen. Ich muss sagen, das Training zahlt sich immer mehr und mehr aus!

Martin übernahm für seinen zweiten Stint!

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Das RTR Auto stand nun in der Box; Motorschaden. Sie würden nicht mehr fahren. Von hinten droht also keine Gefahr mehr. Nach vorne sind es 22 Runden Abstand. Dann auf einmal Fernsehbilder, die den Duller M3 mit abgerissenem rechten Vorderrad auf dem Hänger stehend zeigen. Was für ein Pech. Das sieht nach längerer Reparatur aus. Ist das jetzt die ausgleichende Gerechtigkeit des Renngotts, der sagt, dass das Thema auf der Strecke ausgefochten werden muss? Scheint so…..Martin wechselt auf Bernd. Knapp 1:50 zu fahren und noch 19 Runden Rückstand. Der Vorsprung schmilzt. Bernd gibt alles im Auto. Ständig zwischen 2:07-2:10. Runde für Runde knabbert er den Vorsprung ab. Dann…..Führung, eine Runde, zwei Runden….Duller fährt raus. Noch 42min zu fahren. Das wird super super knapp. Sie brauchen etwa 20 Runden, um uns eine abzunehmen. Das entspricht etwa 40min Fahrzeit für Duller. Wenn sie uns eine Runde auf der Strecke abnehmen, dann sind sie quasi gleich, da wir noch eine Runde abgezogen bekommen am Ende wegen der unerlaubten Nutzung der Abkürzung zur Box am Morgen. Dazu meine 20sec Zeitstrafe wegen des Unfalls…..ich habe jetzt beim Schreiben schon wieder kalte Hände! Die Spannung war unerträglich und Herzinfarkt gefährdet sollte man nicht sein.

Der M3 kam näher und näher und in der vorletzten Runde hat er dann Bernd erreicht und überholt. Damit war klar, wir sind “nur” Zweiter”! Aber was für ein irrer Fight zum Schluss, von beiden Teams. Wir haben alles gegeben; Duller hat das Fahrzeug trotz des grossen Schadens wieder auf die Strecke gebracht und mit der krummen Gurke noch Zeiten gefahren, dass einem schwindlig wurde.
Da sie aber von unserer 1 Runden Strafe nichts wussten, waren sie auf dem Podium der Meinung, sie wären Zweite: der Blick nach der Aufklärung der Drei ist relativ unbezahlbar gewesen. Ich gönne es Ihnen und ich hätte es uns auch gegönnt!
Aber das ist Langstrecke. Das Rennen ist erst nach 12h rum….keine Minute früher!

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Ein irres Erlebnis, mit tollen Menschen, und wenn man dann auf dem Podium vom Team SORG Rennsport noch “Thunder” hört, dann geht einem einfach das Herz auf!

Danke an alle Beteiligten, danke an die Teamkollegen, die Mechs, die Verpfleger, dem Masseur, der mir meine Blockade im Nacken gelöst hat, einfach allen (auch der Oma :-) )

Bis zum nächsten Mal beim Team Hofor-Küpper-Racing, wann auch immer das sein wird. Aber das letzte Mal bin ich den Bob sicher nicht gefahren! In diesem Sinne “Klönck. Klönck”!!!

Gruss,
Lars

PS: am Abend folgten wir wieder einer Restaurant-Empfehlung von Paul; Essen ist eben doch auch wichtig in Italien! Schönen Gruss an den Pizzalieferanten. Bilder reiche ich nach!

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